Über Dinge des Lebens zu philosophieren ist im Denken nicht gerade von Einfachheit beseelt. Oft wird das Philosophieren als schwierig oder auch als eine brotlose Kunst abgetan. – Man muss kein Philosoph von Profession zu sein, um sich einem Thema philosophisch zu nähern, das uns in unserem Alltag begegnet.
Das Philosophieren ist zwar eine besondere Art des Denkens, eine Denkkunst, sich den alltäglichen Dingen des Lebens auf einer besonderen Art und Weise zu nähern – mit Fragen, die nicht immer alltäglich erscheinen und deshalb für Außenstehende eher als ungewöhnlich oder gar abgehoben wirken.
Das Philosophieren als Denkmethode ermöglicht uns, auch über eine Stadt an sich und auch über die Stadt Rostock anders zu denken und zu reden, sie derart zu betrachten, von einer Seite kennenzulernen, die über das Alltägliche von Stadtsein und Stadtleben hinausgeht.
Was kann das Philosophieren über eine Stadt und deren Ästhetik – und das insbesondere mit Blick auf Rostock – sinnstiftend und gewinnend für unser alltägliches Stadtverständnis beitragen?
Vier Aspekte sollen Leitfaden für eine methodische Denkhilfe sein, Stadt und Stadtleben philosophisch zu entdecken und zu beschreiben.
Eine Stadt in ihren Merkmalen zu beschreiben, was sie ausmacht, ist wenig beschwerlich. Wir wissen, dass Stadt nicht gleich Stadt und in verschiedenen Merkmalen beschreibbar ist. Nicht selten werden Städtisches und Ländliches gegenübergestellt und voneinander unterschieden. Und dennoch ist interessant, die Frage zu diskutieren, wenn es um die Beziehung zwischen städtischem Raum und dessen Artefakte einerseits und der Stadtgesellschaft andererseits geht.
Zusätzlich kommt die Ästhetik ins Gedankenspiel. Sie ist eine junge, erst seit der Mitte des 18. Jh. gekürte philosophische Disziplin, die in den Anfängen mit der Kunst- und Naturästhetik verknüpft und erst 100 Jahre später mit der Industrialisierung die Verbindung zur Stadt gebracht wurde.
Die Beschreibung, was Ästhetik ist, was ihr zugrunde gelegt wird, ist nach wie vor aktueller Diskurse und wird es auch wohl bleiben, wenn es darum geht, eine Antwort auf die Frage zu finden: Wo hat das Schöne (auch das Hässliche) seine Quelle – in den Dingen des Lebens oder (und) im menschlichen Denken?
Diese Frage berührt die Erkenntnis darüber, wie es um deren Quelle der Erkenntnis und der Wahrheit bestellt ist.
Erkenntnisse auf Wahrhaftigkeit zu überprüfen, ist äußerst schwierig, weil das Philosophieren oft von hoher Allgemeinheit und Abstraktion bestimmt ist. Einen plausiblen Nachweis über Wahrheiten zu führen, wie wir es z. B. bei der Überprüfung von Tatsachen in den Naturwissenschaften kennen, macht eine philosophische Wahrheitsfindung nicht einfacher. Beispiele aus dem Leben heranzuziehen – das kann hilfreich sein, um an die Wahrheit so nah wie möglich heranzukommen. Darüber hinaus spielt das Argumentieren, das logische Ableiten von Gedanken, das Erkennen von Plausibilitäten im Ringen um Wahrheit eine wichtige Rolle.
Woher weiß ich, dass diese Ansiedlung von Menschen eine Stadt und kein Dorf ist? Es gibt in Deutschland Räume mit ca. 5.000 Bewohnern, die zum einen als Stadt und zum anderen als „Dorf“ deklariert sind. (Einzelne Bundesländer machen diesen Unterschied per Beschluss.)
In der Ästhetik steht der Begriff Schönheit oder Erhabenheit im Zentrum der Betrachtung. Jeder kennt bei der Betrachtung eines Kunstwerkes, wie unterschiedlich Urteile (Geschmacksurteile) ausfallen. Dann heißt es: Die Geschmäcker sind eben verschieden. Ist es wirklich so?
Fragen nach Veränderung, Entwicklung, Bestimmtheiten, Zusammenhängen und Kausalitäten
Auch für eine Stadt sind Antworten auf diese Fragen unumgänglich. Städte verändern, entwickeln sich. Rostock mit ihrer über 800-jährige Stadtgeschichte werden von Gästeführerinnen und -führern eindrucksvoll und lebendig erzählt. Die Rostocker „Stadtväter“ machen sich neuerlich Gedanken über die Stadtgeschichte, wenn es um die Zukunft der Hansestadt geht. Perspektiven und Nachhaltigkeit werden hinterfragt und sind zu diskutieren.
Rostock besteht aus Stadtteilen. Wie stehen sie zueinander in Beziehung? Wie wirken sie gegenseitig aufeinander? Die Fragen stoßen dann auf besonderes Interesse, wenn sie mit dem Ästhetischen verknüpft wird. Hat jeder Rostocker Stadtteil seine eigene Geschichte und damit auch eine eigene Stadtteil-Ästhetik?
Es ist zugleich interessant, den Zusammenhang zwischen Stadt und Stadtgesellschaft, Kunst und Natur im Kontext des Ästhetischen zu diskutieren.
Mit einer historischen und zukunftsorientierten Stadtbetrachtung fließen zugleich Überlegungen zur Ästhetik ein. Dabei ist nicht nur gemeint, dass sich die Ästhetik in ihrem Verständnis verändert. Schönheit als Kernbegriff ist geblieben, Wandlungen sind dennoch nicht ausgeblieben. – Es sind Schönheiten im Wandel der Zeit.
Die Kategorie Schönheit manifestiert in eindrucksvoller Weise eine dialektische Subjekt-Objekt-Beziehung. Es stellt sich die Frage, wo das Schöne seine Quelle hat. Verorten wir es im Bewusstsein, im Denken, im Verstand des Menschen oder ist das Schöne eine Eigenschaft, die ausschließlich den Dingen (Gegenständen, Sachen) wie Häuser, Parks, Blumen etc. zuzuordnen sind. Wir sprechen von einem schönen Bild, einem schönen Baum oder schönem Auto. Ist das Schöne wirklich in den Dingen zu finden oder ist es lediglich eine menschliche Projektion des Schönen auf jene Artefakte, die wir als schön beurteilen, jedoch selbst nicht über die Eigenschaft der Schönheit verfügen? Oder kommt dem Schönen vielleicht beides zu? Hier scheiden sich die „Geister“.
Ein weiterer Teil des Philosophierens zielt auf Fragen der Ethik, des Sinns menschlichen Lebens und dessen Werte für die Gegenwart und Zukunft in der Gesellschaft (Gemeinschaft).
Die Frage der Ethik i. S. der Werte und des menschlichen Verhaltens ist im Diskurs ebenfalls berechtigt. Grundwerte wie Freiheit und Verantwortung einerseits, Dialog und Vertrauen andererseits sind als bestimmende Werte einer gelingenden Stadtgesellschaft einzuordnen. Wie wollen wir in einer Stadt leben? Welchen Platz sollen Lebensqualität und Humanität einnehmen?
In Bezug zur Ästhetik stellt sich gleichermaßen die Frage nach jenen Werten, die mit Ethik und Ästhetik verknüpft sind: Was ist ein gutes Leben in der Stadt? Was macht es wertvoll?
Der Gedanke Ästhetik mit Ethik zu verbinden hat einen eigenen Wert. Das bedeutet, das Ästhetisch-Schöne mit dem Ethisch-Moralischen in Beziehung zu setzen und zu fragen: Inwieweit kann eine ästhetische Wertstellung einen Beitrag zur Wertebildung, Erziehung und humanistischen Denken und Verhalten leisten? Sind Ästhetik und Ethik stets gemeinsam zu denken?
Der Diskurs ist eröffnet – egal mit welcher Frage begonnen wird. Oft konzentriert der Gedankenaustausch auf einen Frageteil. Wiederum anders vermischen sich die Frage beim Philosophieren. In diesem Falle ist umsichtig im Sortierender Fragestellungen geboten, um nicht den Überblick beim Philosophieren zu verlieren. Eine Moderation in größeren Gesprächskreisen sin da von Vorteil. Ein philosophisches Denkchaos trägt nicht gerade motivierend für fortschreitendes Denken bei.
Hans-Jürgen Stöhr Rostocker Philosophische Praxis
Wem gehört die Hanse- und Universitätsstadt?
Aus Anlass zu den letzten Bürgerschaftswahlen für die Hanse- und Universitätsstadt wurde für „Die Linke“ das Werbeplakat betitelt: „Damit Rostock Rostock bleibt“. Dieser Wahlspruch gibt Anregung für einen Diskurs über Rostock, dessen Stadtgesellschaft und über Vielfalt städtischen Lebens…
Eine Gästeführung aus philosophischer Perspektive
Keine Stadt lässt es sich nehmen, ihre guten und schönen Seiten, aus altstädtischer Vergangenheit, in moderner Gegenwart und mit Zukunftsaussichten darzustellen.
THESEN – zusammengefasst aus dem Manuskript des Buches zu den 5. Rostocker Philosophischen Tagen
Ästhetik – das Schöne in einer Subjekt-Objekt-Beziehung
Schönheit bzw. schön ist eine Eigenschaft einer bestehenden Beziehung, die sich zwischen Subjekt (Mensch) und Objekt (Gegenstand, Artefakt) platziert…