Hintergrund-26_8

Damit Rostock Rostock bleibt!

Wem gehört die Hanse- und Universitätsstadt?

Gedanken zu einem Werkstattgespräch

Hans-Jürgen Stöhr
Rostocker Philosophische Praxis

Aus Anlass zu den letzten Bürgerschaftswahlen für die Hanse- und Universitätsstadt wurde für „Die Linke“ das Werbeplakat betitelt: „Damit Rostock Rostock bleibt“.

Dieser Wahlspruch gibt Anregung für einen Diskurs über Rostock, dessen Stadtgesellschaft und über Vielfalt städtischen Lebens. Diese Veranstaltung folgt dem Charaktereiner politischen Philosophie, die im Programm der 5. Rostocker Philosophischen Tage aufgenommen wurde. Das Leitthema dieses philosophischen Events heißt:

„Rostock – Stadtleben – Erlebnis Stadt.“

Was macht eine Stadt (wie Rostock) schön, attraktiv und erlebenswert?

Gesprächsangebot und Diskussion zielen darauf, Rostock als Stadt in seinem aktuellen Erleben und Erfahren kritisch aufzunehmen und den Titel des Plakates zu hinterfragen.

ALTSTÄDTISCHES ROSTOCK

Eine Gästeführung aus philosophischer Perspektive

Hans-Jürgen Stöhr
Rostocker Philosophische Praxis

Keine Stadt lässt es sich nehmen, ihre guten und schönen Seiten, aus altstädtischer Vergangenheit, in moderner Gegenwart und mit Zukunftsaussichten darzustellen.

Ein derartiger Stadtrundgang ist verständlicherweise nachfragebedürftig: Was verbirgt sich hinter dieser Gästeführung, dem Gang durch die Altstadt mit philosophischem Charme? Lässt sich ein Stadtrundgang philosophisch erzählen? Wie geht das? Was sind ihre geistigen Schwergewichte, wenn es darum geht, eine Stadt wie Rostock aus einer philosophischen Perspektive zu präsentieren?

Das Philosophische präsentiert sich nicht wie ein Haus, ein Stadttor oder eine Plastik im öffentlichen Raum, die unmittelbar anzusehen oder anzufassen sind. Es ist im Verborgenen präsent. Das heißt, es braucht eine Sicht- und Denkweise, die das Philosophische in den Dingen und Ereignissen erschließbar machen. Auch das reicht manchmal nicht. Es ist oft auch ein Weg des Entdeckens, der nicht immer gleich erschließbar ist.

Dies ist vergleichbar mit Forschungen in der Astrophysik. Die Entdeckung der 3-Kelvin-Reststrahlung, eines Schwarzen Lochs, eines Doppelsterns oder der Zusammensetzung der Atmosphäre eines Planeten außerhalb unseres Sonnensystems sind nicht vorrangig das Ergebnis einer astronomischen Beobachtung, sondern das Resultat mathematischer Berechnungen, Ableitungen, Spektralanalysen und astronomischer Schlussfolgerungen. All diese Objekte sind existent, doch sie verwehren uns ihre unmittelbare Anschaulichkeit und Erfahrung. Der Zugang hin zu einer philosophischen Entdeckung unserer Lebenswelt braucht also eine Denkweise, die über die Beobachtung und Wahrnehmung des Alltäglichen hinausgeht.

Welche Fragen sind es, die in einem philosophischen Stadtrundgang »versteckt« sind, ohne dass sie in jedem Fall bei einer Führung direkt zu Worte kommen (müssen!), sondern in der Beschreibung des städtischen Geschehens, also während der Gästeführung, eingebettet sind…

STADTLEBEN · ERLEBNIS STADT

THESEN – zusammengefasst aus dem Manuskript des Buches zu den 5. Rostocker Philosophischen Tagen

Ästhetik – das Schöne in einer Subjekt-Objekt-Beziehung

Schönheit bzw. schön ist eine Eigenschaft einer bestehenden Beziehung, die sich zwischen Subjekt (Mensch) und Objekt (Gegenstand, Artefakt) platziert. Sie zeigt sich im Zusammenfluss von Schönem einer Sache (objektiv) – in Formen, Strukturen, Farben etc. – und der Wahrnehmung des Schönen (subjektiv) durch den Menschen, der natürlich-evolutiv entstanden, über die Fähigkeit verfügt, aus sich selbst heraus über sein Bewusstsein Schönes zu konstituieren. Schönes wird, wenn Mensch und Artefakt zueinander in Beziehung treten. Das passiert, wenn der Mensch ein Geschmacksurteil fällt. Das Schöne ist schön, weil es in Relation zwischen Mensch und Gegenstand zu verorten ist. Nur in dieser Beziehung offenbart sich das Schöne. …

GUTE GRÜNDE, ÜBER STADTÄSTHETIK UND ETHIK ZU PHILOSOPHIEREN

Über Dinge des Lebens zu philosophieren ist im Denken nicht gerade von Einfachheit beseelt. Oft wird das Philosophieren als schwierig oder auch als eine brotlose Kunst abgetan. – Man muss kein Philosoph von Profession zu sein, um sich einem Thema philosophisch zu nähern, das uns in unserem Alltag begegnet.

Das Philosophieren ist zwar eine besondere Art des Denkens, eine Denkkunst, sich den alltäglichen Dingen des Lebens auf einer besonderen Art und Weise zu nähern – mit Fragen, die nicht immer alltäglich erscheinen und deshalb für Außenstehende eher als ungewöhnlich oder gar abgehoben wirken.

Das Philosophieren als Denkmethode ermöglicht uns, auch über eine Stadt an sich und auch über die Stadt Rostock anders zu denken und zu reden, sie derart zu betrachten, von einer Seite kennenzulernen, die über das Alltägliche von Stadtsein und Stadtleben hinausgeht.

Was kann das Philosophieren über eine Stadt und deren Ästhetik – und das insbesondere mit Blick auf Rostock – sinnstiftend und gewinnend für unser alltägliches Stadtverständnis beitragen?

Vier Aspekte sollen Leitfaden für eine methodische Denkhilfe sein, Stadt und Stadtleben philosophisch zu entdecken und zu beschreiben.

© 2026 Philosophische Praxis – Initiative Rostock philosophiert!